Modularer Schulbau in guter Tradition

Erweiterung der Fuchshofschule, Schorndorf

Bildquelle: Jürgen Pollak

Der Erweiterungsbau für die Fuchshofschule in Schorndorf ist in Holzmodulbauweise errichtet. Das teilweise zweigeschossige Gebäude nimmt die Mensa und einige Ergänzungsräume auf.

Die Fuchshofschule in Schorndorf ist mit ihren fünf Variel-Pavillons ein bautechnisches Kleinod. 1963 von dem Schweizer Architekten Fritz Stucky als Interimslösung gebaut, ist das Ensemble heute ein Beispiel für die progressive Schulbaugeschichte der Nachkriegsjahre und steht seit 2018 unter Denkmalschutz. Für den Ausbau zu einer Ganztagsschule wurde nun ein Erweiterungsbau in Holzmodulbauweise realisiert. Den dafür ausgelobten Gesamtleistungswettbewerb konnte die Blumer Lehmann AG zusammen mit ihrem Planungspartner Bauart Architekten und Planer für sich entscheiden.

Bildquelle: Jürgen Pollak

Die Fassade weist einen deutlichen Modulbaubezug auf und zeichnet mit fein detaillierten Lisenen die Stoßfuge der Raummodule nach außen nach. Die Aufteilung der Fassaden nimmt Bezug auf die Gestaltung der historischen Variel-Pavillons.

Kulturdenkmal für industrialisiertes Bauen

Die fünf Bestandspavillons der Fuchshofschule in Schorndorf waren 1963 mit dem System Variel „Programm 58“ errichtet worden. Dabei handelt es sich um ein von dem Schweizer Architekten Fritz Stucky in den 1950er-Jahren entwickeltes Fertigbausystem, das er zu vorfabrizierten Stahlbeton-Raumzellen für den Schulbau perfektionierte und in den 1960er- und 1970er-Jahren in alle Welt vertrieb. Die Klassenräume sind aus jeweils drei Raummodulen zusammengefügt und mit eigener Eingangshalle, WC-Anlagen, Heizung und Materialraum unabhängig voneinander nutzbar. Die expressive Form mit einer abgeschrägten Rahmenkonstruktion vor der Fassadenflucht und dem lamellenartigen Blendschutz unter einem breiten Dachüberstand prägen das Erscheinungsbild der Variels. Bei der Nominierung als Kulturdenkmal stand vor allem die Tatsache im Fokus, dass bei dem Bau der Fuchshofschule eine ganze Schule mit dem innovativen Raumzellen-System erstellt worden war.

Bildquelle: Jürgen Pollak

Die silbrig grau lasierte Holzlattung liegt hier wie eine zweite Haut über der offenen Wand des Außenklassenzimmers. Auch die Fensteröffnungen der Nebenräume konnten so problemlos in die Fassadengestaltung integriert werden. Auf der rechten Seite ist einer der historischen Variel-Pavillons zu sehen.

Da für die geplante Sanierung der inzwischen fast 60 Jahre alten Pavillons Ausweichflächen benötigt werden und die zweizügige Grundschule mit Mensa und Betreuungsräumen zur Ganztagsschule ausgebaut werden soll, beauftragte die Stadt Schorndorf einen Erweiterungsbau. Zusammen mit ihrem Planungspartner Bauart Architekten und Planer aus Zürich gewann die schweizerische Blumer Lehmann AG den Gesamtleistungswettbewerb für das neue Schulgebäude, das die historischen Pavillons in moderner Holzmodulbauweise ergänzt. Als Totalunternehmerin war Blumer Lehmann beim Projekt Fuchshofschule für alle Bauleistungen zuständig, wie Planung, Produktion und Montage.

Bildquelle: Jürgen Pollak

Große Spannweiten ergaben sich in der Mensa. Um sie stützenfrei ausführen zu können, wurden bei den über zehn Meter langen, aus Nadelholz gefertigten Raummodulen mit Unterzügen aus Baubuche gearbeitet. Insgesamt 200 Personen sollen bei Veranstaltungen Platz finden können, wenn Mensa und Musikraum zu einer Art Aula zusammengeschlossen werden.

Feingliedrige Fassade mit deutlichem Modulbaubezug

Der gestaffelte zweigeschossige Neubau nimmt sich gestalterisch gegenüber den Variel-Pavillons dezent zurück, bildet aber volumetrisch zusammen mit der ebenfalls zweigeschossigen Turnhalle eine strukturelle Klammer für das gesamte Schulareal. Im architektonischen Ausdruck wurde explizit der Modulbaucharakter in den Fokus gerückt, mit einer strukturierten Fassade und Lisenen, die das Tragsystem der Module nach außen abzeichnen. Die Fassade ist silbrig grau lasiert, mit einer sehr feinen Holzlattung. Sie tritt damit hinter der Farbigkeit der Variel-Pavillons zurück, die alle eine andere Farbe haben. „Wir haben das Thema Farbe in den Innenraum verlagert und dort den hellen Bestandsfarbton der Pavillons im Flurbereich wieder aufgenommen“, erinnert sich Architektin Kathrin Merz von Bauart. In den Räumen schaffen dunkelblaue Linoleumböden und helle Holzoberflächen eine behagliche Lernumgebung, ergänzt durch ausgewählte Akzente in Fuchsrot als Anspielung auf den Namen der Schule. Eine Besonderheit ist das Außenklassenzimmer im Obergeschoss, das flexibel nutzbar ist und sich bei Bedarf zu einem vollwertigen Klassenraum ausbauen lässt.

Bildquelle: Jürgen Pollak

Eine Besonderheit der Schulerweiterung ist das fensterlose Außenklassenzimmer, das zu einem späteren Zeitpunkt zu einem vollwertigen Klassenzimmer ausgebaut werden kann.

Holzmodulbau vom Feinsten

Mit seinem flexiblen Holzmodulbauprogramm für den Schulbau steht Blumer Lehmann in einer langen Schweizer Bautradition, die von den Variel-Pavillons Fritz Stuckys bis zum Baukastensystem Züri-Modular reicht, das die Stadt Zürich bis heute für ihre strategische Schulraumplanung nutzt. In der Schweiz setzte Blumer Lehmann zusammen mit dem Planungspartner Bauart Architekten und Planer bereits zahlreiche Schulbauprojekte in Holzmodulbauweise um, unter anderem mit dem bekannten Modulbausystem der Stadt Zürich. Die Produktion der Holzmodule für den deutschen Markt erfolgt im Werk am Blumer Lehmann-Standort im hessischen Großenlüder. Hier werden Boden-, Wand- und Deckenelemente in der klassischen Holzrahmenbauweise gefertigt und zu Raummodulen zusammengefügt. Danach werden sie von Partnerbetrieben mit Heizung, Sanitär- und Lüftungsanlagen und der Inneneinrichtung komplett ausgestattet.

Bildquelle: Blumer Lehmann

Die Produktion der Raummodule fand im deutschen Werk von Blumer Lehmann in Großenlüder bei Fulda statt. Insgesamt besteht das Erweiterungsgebäude aus 30 Raummodulen mit einer Breite von 3,40 Metern. 22 der Module sind 10,20 Meter lang, weitere acht haben eine Länge von 6,40 Metern. Die reine Montage der Module auf der Baustelle dauerte nur zwei Wochen.

Ein spezielles Element der eingesetzten Haustechnik ist das von Beat Kegel entwickelte Lowtech-System einer Verbundlüftung mit aktiver Überströmung, das auch bei der Fuchshofschule zur Anwendung kam. Auf Kanalführungen und abgehängte Decken konnte so verzichtet werden; die Quellauslässe verschwinden hinter sorgfältig gefrästen Perforationen der Holzverkleidung, die zur feingliedrigen Gestaltung der Holzwände beitragen.

„Dass mit dem Erweiterungsbau der Leitgedanke von Stucky auch architektonisch wiederaufgenommen wurde, bedeutet uns sehr viel,“ bekennt Stadtarchitektin Maja Koglin, Architektin bei der Stadt Schorndorf. „Das Ergebnis ist eine insgesamt sehr schöne und wirtschaftliche Lösung mit feinen Details in einer erstklassigen handwerklichen Ausführung“.


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05.01.2023
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